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Adele Elsbach (1908–1944) – Entdeckung einer Unbekannten

2. Juni bis 24. November 2019

Im Januar 2018 wurde das Stadtmuseum Simeonstift Trier bei einem süddeutschen Auktionshaus auf Werke der Trierer Künstlerin Adele Elsbach aufmerksam. Erste Recherchen ergaben, dass es sich bei ihr um eine 1908 geborene Jüdin handelt, die in der Stadt als „Kunstgewerblerin“ tätig war. Sie wurde von den nationalsozialistischen Machthabern 1944 in Auschwitz ermordet.

Das Museum konnte die neun kleinformatigen Glasmalereientwürfe aus dem Jahr 1928 ankaufen und in dieser Ausstellung erstmals einer breiteren Öffentlichkeit präsentieren. Die teils in kräftigen Farben gehaltenen Werke zeigen eine breite Palette an Motiven in unterschiedlichen Formensprachen, die sich an den aktuellen Kunstströmungen der Zeit wie dem Art déco, dem Bauhaus oder dem Futurismus orientierten.

Dr. Bernd Röder, wissenschaftlicher Mitarbeiter im Stadtmuseum, entdeckte die Mappe mit 9 Entwürfen für Glasarbeiten im süddeutschen Kunsthandel und konnte sie für die städtische Kunstsammlung erwerben. „Mit dieser Neuerwerbung entdecken wir eine bislang unbekannte Trierer Künstlerin, deren Schicksal auch stellvertretend für eine ganze Generation jüdischer Künstlerinnen und Künstler steht, die die nationalsozialistische Vernichtungspolitik in vielen Fällen mit ihrem Leben bezahlten“, erklärt Museumsdirektorin Dr. Elisabeth Dühr.

Bedauerlicherweise ist nicht bekannt, welche Ausbildung Adele Elsbach absolvierte und wo sie dies tat. Möglicherweise war Adele Elsbach aufgrund des frühen Todes des Vaters sogar gezwungen, durch eine eigene berufliche Tätigkeit zum Familieneinkommen beizutragen. Nach der Machtübernahme durch die Nationalsozialisten im Jahr 1933 wurde ihr das Ausüben dieses Berufes jedoch zunehmend erschwert. Im Zuge der fortschreitenden Ausgrenzung und Entrechtung der jüdischen Bevölkerung vertrieben die nationalsozialistischen Machthaber sie und ihre Mutter zunächst aus der gemeinsamen Wohnung, bevor die beiden in Konzentrationslager deportiert und Opfer der erbarmungslosen Vernichtungsmaschinerie des Regimes wurden.

Die Ausstellung unternahm den Versuch, das kurze, vom nationalsozialistischen Terror geprägte Leben dieser in ihrer Heimatstadt vollkommen in Vergessenheit geratenen Künstlerin nachzuzeichnen und ihrem beeindruckenden, ganz auf der Höhe der Zeit stehenden Werk die gebührende Beachtung zu verschaffen.