• Schriftgröße

Dauerausstellung zur Stadtgeschichte von Trier

Trebetasaal: Eindrucksvoller Auftakt für die Erkundung der Stadtgeschichte

Der erste Raum im Erdgeschoss ist der “Trebeta-Saal”, benannt nach dem sagenhaften Gründer der Stadt, dem assyrischen Königssohn Trebeta. Ein großformatiges Ölgemälde, das in diesem Raum ausgestellt ist, veranschaulicht die Legende. Weitere herausragende stadtgeschichtliche Exponate statten den ehemaligen Fest-, Empfangs- und Vortragssaal aus, unter anderem das originale Marktkreuz aus dem 10. Jahrhundert, die Steipenfiguren aus dem 15. Jahrhundert sowie die Figuren des Petrusbrunnens aus dem 16. Jahrhundert. Am Hauptmarkt, dem ursprünglichen Aufstellungsort dieser Arbeiten, stehen heute Kopien.

Roter Saal: Die Geschichte Triers von der Antike bis heute

Im ersten Obergeschoss veranschaulichen im Nordflügel ausgewählte Exponate die Geschichte Triers von der Antike bis in die heutige Zeit. Trier gilt als die älteste Stadt Deutschlands. Die Moselstadt wurde um 18/17 v. Chr. gegründet und war im 4. Jahrhundert eine der Kaiserresidenzen des Römischen Reiches. Damals reichten ihre Anlagen von der Nordallee bis etwa zur Töpferstraße im Süden. Das Straßennetz war systematisch gerastert, am Schnittpunkt der beiden Hauptstraßen lag das Forum, der heutige Viehmarkt. Die Folge „Malerische Ansichten der merkwürdigsten Alterthümer und vorzüglicher Naturanlagen im Moselthale bey Trier” zeugt von der Begeisterung, die antike Bauwerke im 19. Jahrhundert hervorriefen. Die Serie stammt von dem Trierer Künstler Johann Anton Ramboux (1790-1866), der wie kein anderer Trierer Maler seiner Heimatstadt ein exzellentes Denkmal setzte.

Zu den beliebtesten Exponaten in diesem Raum gehört ein Stadtmodell, das den Zustand Triers in der Zeit um 1800 wiedergibt. Eindrucksvoll lässt sich hier die ursprüngliche Stadtanlage mit Straßenführungen und Bauwerken nachvollziehen. Nach den Verwüstungen der Völkerwanderung im 5. Jahrhundert und der endgültigen Einnahme Triers durch die Franken um 485 verfielen die römischen Anlagen. Das mittelalterliche Trier (1000-1500) war ein Ort, in dem mit der Zeit immer mehr geistliche Gemeinschaften entstanden. Kirchen und Klosteranlagen wurden gebaut. Zentrum wurde schließlich der Dom St. Peter mit der südlich angrenzenden Liebfrauenkirche.

Im römischen Nordtor, der Porta Nigra, ließ sich zu Beginn des 11. Jahrhunderts der Einsiedler Simeon nieder. Nach seinem Tod 1035 wurde er heilig gesprochen und die Porta Nigra in eine Stiftskirche umgewandelt. Da sie nun zu einem heiligen Ort geworden war, entging sie dem Abriss – im Gegensatz zu vielen anderen Großbauten, die als Steinbrüche genutzt wurden. Nach dem Verfall der römischen Stadtmauer bildete der wohl seit der Zeit um 1000 ummauerte Dombering mit seinem davor liegenden Markt den Kern des mittelalterlichen Triers. Trier entwickelte sich zu einer Stadt der Bischöfe und Bürger, denn Stadtherren wurden die Erzbischöfe. Daneben verfestigte sich seit dem 12. Jahrhundert die Stadtgemeinde. An ihrer Spitze standen die Schöffen und der Schöffenmeister und später zusätzlich zwei Bürgermeister. Das Rathaus befand sich auf dem heutigen Kornmarkt, darüber hinaus errichtete die Stadt im 15. Jahrhundert am Hauptmarkt die so genannte Steipe als Fest- und Tanzhaus.

Seit dem späten Mittelalter zeichnete sich der Niedergang Triers in der frühen Neuzeit (1500-1800) ab. Nach einem gescheiterten Reformationsversuch 1559 wanderten weite Bevölkerungsschichten ab. Hexenprozesse, Seuchen und nicht enden wollende Kriege schufen ein Klima der Bedrückung. Ende des 17. Jahrhunderts war der Tiefpunkt erreicht, Trier zählte nur noch rund 2.800 Bürger.

Gelber Saal: Wirtschaft, Tourismus und Verkehr, Glaubensgemeinschaften, Sport und kulturelles Leben in Trier

Der Westflügel des Simeonstifts ist im ersten Obergeschoss ausgewählten Themen der Stadt gewidmet. Von der Spätantike über die Zeit des Mittelalters bis in die Neuzeit hinein erlebte Trier einen kontinuierlichen Bedeutungsverlust. Einen Aufschwung brachte die hier verspätet einsetzende Gründerzeit seit den 1890er-Jahren. Erst im letzten Drittel des 20. Jahrhunderts konnte Trier eine deutlichere Dynamik entfalten. Klassische Produkte der Industriellen Revolution (Stahl, Tuche) fehlten weitestgehend. Stattdessen verlegte sich Trier im 19. und 20. Jahrhundert neben der Lederproduktion auf Genussmittel (Wein, Sekt, Bier, Tabak) und auf Luxusprodukte (Porzellan, Rosen, Schmuck, Mode). Trier wurde zur „Stadt der schönen Dinge”.

Die in napoleonischer Zeit gegründete Porzellanmanufaktur produzierte hochwertige Ware. Die Produktpalette umfasste Kaffee- und Teeservice, Ziertassen, Vasen und Pfeifenköpfe. Besonders beliebt waren Produkte mit Ansichten der Stadt Trier und ihrer Umgebung. Wichtigster Erwerbszweig seit Beginn des 19. Jahrhunderts ist die Tabakindustrie, die bis heute den größten privaten Arbeitgeber in Trier stellt. Auch das Ledergewerbe spielte eine nicht unwesentliche Rolle, das so genannte Trierer Sohlleder war weithin gefragt. Daneben sind Brauereien und Sektkellereien von einiger Bedeutung. Industrielle Züge trug auch die Rosenzüchtung, die um 1900 weltweiten Rang erlangte.

Heute ist der Tourismus eine wesentliche Grundlage des hiesigen Wirtschaftslebens. Römerbauten und Kirchen, die historische Altstadt, aber auch die Museen ziehen Jahr für Jahr Hunderttausende von Besuchern an. Mobilität ist von jeher ein Thema der Stadt am Fluss. Zur Römerzeit war Trier einer der Knotenpunkte des reichsumspannenden Straßennetzes. Die Mosel dagegen war wegen ihres windungsreichen Verlaufs nur bedingt für den Transport geeignet. Dennoch begann 1841 ein regelmäßiger Dampfschiffverkehr zwischen Trier und Koblenz. Im 19. Jahrhundert erhielt die Stadt erst spät Anschluss an das Eisenbahn-, im 20. Jahrhundert an das Autobahnnetz.

Stifterkabinett: Gemälde, Mode, Ostasiatika und andere Geschenke

Im Zweiten Obergeschoss werden die wichtigsten Mäzene des Hauses vorgestellt. Es waren kunstinteressierte Trierer Bürger, die mit der großzügigen Überlassung ihrer Sammlungen den Grundstock für das Stadtmuseum legten. Bereits 1830/31 schenkte der Trierer Richter und Gerichtspräsident Johann Peter Job Hermes seine umfangreiche Sammlung von Gemälden, Glaserzeugnissen, Alabasterreliefs und kunstgewerblichen Objekten der Stadt. 1878 kam die ethnologische und heute leider verschollene Sammlung des Beigeordneten und Bibliotheksdirektors Dr. Carl Schoemann hinzu mit einem Schwerpunkt auf malaiischen Schattentheaterfiguren, Waffen und Modellen und Alltagsgegenständen. Später folgten koptische und europäische Textilien aus dem Besitz des Kaufmanns und Politikers Wilhelm Rautenstrauch und Gemälde aus der Sammlung des Kirchen- und Kunsthistorikers Prof. Dr. Franz Xaver Kraus.

Die Sammlung Dr. Martin Schunk ist eine der jüngsten größeren Stiftungen. Der Industriemanager vermachte dem Museum Gemälde, Ostasiatika, Miniaturen und kunstgewerbliche Objekte. Über den außergewöhnlichen Umfang und die Vielfalt der Sammlung können Besucher in diesen Räumen einen hervorragenden Eindruck gewinnen. Kleider und Modeaccessoires der vergangenen drei Jahrhunderte kann das Stadtmuseum sein Eigen nennen. Der Schwerpunkt liegt auf regionaler Kleidung aus dem Eifel-, Hunsrück-, Saar- und Moselraum. Zu den Highlights aus dem Bereich Mode und Textilien zählt der dreiteilige Galaanzug des Trierer Bürgermeisters und Hüttenbesitzers Ludwig Karl Gottbill aus kostbarer, webgemusterter Seide, vermutlich aus Lyon importiert. Außergewöhnlich ist ebenfalls ein Konvolut koptischer Textilien aus dem 3. bis 12. Jahrhundert. Die Stoffe stammen aus dem oberägyptischen Akhmim / Panopolis und zeugen von der Verschmelzung altägyptischer Traditionen mit spätantiken und christlichen Elementen.