• Schriftgröße

Objekt des Monats

Ansicht des Trierer Hauptmarktes

Unser Objekt des Monats, die Ansicht des Trierer Hauptmarktes von George Adélmar Bouet, zeigt das Treiben auf dem unbefestigten Marktplatz. Rund um den Petrusbrunnen boten die Marktfrauen auf Tischen, auf dem Boden oder direkt vom Karren ihre Waren feil. Zudem war der Brunnen ein wichtiger Treffpunkt für alle Mägde und Frauen, die dort ihr Trinkwasser in Krügen und Eimern holten und dabei die neuesten Nachrichten austauschen konnten.

In Verbindung mit einer Zuschreibung an Clarkson Stanfield wurde das Ölgemälde aufgrund der Kleidung der dargestellten Personen zunächst um 1840 datiert. Nachforschungen von Dieter Marcos ergaben, dass die Signatur “Bouet” und die Jahreszahl “1886” wohl von fremder Hand nachträglich aufgebracht worden was, das Bild aber tatsächlich von Bouet stamme und im Pariser Salon im Jahre 1847 ausgestellt wurde.

Über mehrere Jahrhunderte hinweg präsentierte sich die Westseite des Trierer Hauptmarkts im Wesentlichen so, wie Bouet sie auf seinem Gemälde festgehalten hat. Erst das Jahr 1944 brachte eine in jeder Hinsicht einschneidende Veränderung, als die Steipe, das symbolträchtig-repräsentative städtische Fest- und Empfangsgebäude des ausgehenden Mittelalters, sowie einige angrenzende Bauten vollkommen zerstört wurden. Auch wenn die Forderung nach einem Wiederaufbau der zerstörten Gebäude schon 1948 konkret formuliert wurde, sollten 25 Jahre vergehen, bis der Hauptmarkt 1970 zu seiner alten Geschlossenheit zurückfand. Während beispielsweise in Frankfurt am Main kurz nach Kriegsende das zerstörte Goethehaus rekonstruiert wurde, kam die Wirtschaft und damit auch die Bautätigkeit in Trier erst mit einiger Verzögerung in Schwung, was der Lage in der französischen Besatzungszone zuzuschreiben ist. Hinzu kamen früh auftretende Meinungsverschiedenheiten zwischen einem Großteil der Bevölkerung, die den liebgewonnenen Anblick des Hauptmarkts wiedererlangen wollte, und der fortschrittlich-modern eingestellten Bauverwaltung, die sich für einen „Beitrag der Zeit“ aussprach. Die zu dieser Zeit schon lange schwierige und sich fortan weiter verschlechternde Finanzlage der Stadt Trier tat dabei ihr Übriges.

In seinem 2020 zum 50. Jahrestag des Wiederaufbaus der Steipe erschienenen Buch „Zwischen Tradition und Moderne. Die Debatte um den Wiederaufbau der Trierer Steipe 1948–1966“ geht David Kunz diesem spannenden Abschnitt der Geschichte der Nachkriegsjahrzehnte in Trier nach und stellt dabei einige zeittypische Probleme heraus, die sich auch andernorts offenbarten. Aufgrund der von Anfang an starken Einbindung der Öffentlichkeit in die Wiederaufbaubestrebungen lässt sich der Verlauf der Debatte besonders eindrücklich anhand von Beiträgen aus den beiden damaligen Trierer Tageszeitungen rekonstruieren, wobei zahlreiche Persönlichkeiten aus verschiedenen Bereichen der Gesellschaft und mit unterschiedlichen Ansichten zu Wort kommen.

George Adélmar Bouet
“TRÈVES / Hauptmarkt platz”

(Ansicht des Trierer Hauptmarktes)
um 1846
Öl auf Leinwand
70 × 81 cm
Stadtmuseum Simeonstift Trier
Inv.-Nr. III 1302