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Amor im Feuer. Die Pendulen der Schenkung Lambert Dahm

März 2015 bis September 2015

Im Jahr 2011 schenkte der Trierer Maler und Zeichner Lambert Dahm dem Stadtmuseum Simeonstift seine kostbare Uhrensammlung. Bei diesen Uhren, die Ihnen hier vorgestellt werden sollen, handelt es sich zum überwiegenden Teil um feuervergoldete französische Pendulen des 19. Jahrhunderts mit aufwendigem Figurenschmuck.

Der Begriff »Pendule« leitet sich ab von dem Pendel, welches den Takt des Uhrwerks vorgibt. Basierend auf den Untersuchungen Galileo Galileis und Leonardo da Vincis entwickelte der Holländer Christiaan Huygens um die Mitte des 17. Jahrhunderts die erste Pendeluhr. Ihr Aussehen wurde im Verlauf der folgenden Jahrhunderte immer weiter entwickelt und verfeinert, vom rechteckigen Kasten bis hin zur künstlerischen Skulptur, die zum festen Bestandteil auf den Kaminen der Schlösser und Adelshäuser, später der gutbürgerlichen Wohnstuben wurde.

Stilistisch gesehen orientierten sich die Pendulen dabei am jeweiligen Zeitgeschmack. Ab der Mitte des 18. Jahrhunderts wich die üppige Prachtentfaltung und der Pathos des Barock und des Rokoko allmählich schlichteren, strengeren Formen mit antikisierenden, ägyptischen und griechisch-römischen Motiven. Napoleon selbst förderte den Rückgriff auf die Antike. So wurden Szenen aus der antiken Mythologie und der klassischen Tragödie, vor allem aber Allegorien auf menschliche Tugenden oder Tätigkeiten, dargestellt von griechischen und römischen Gottheiten, zu den beliebtesten Dekorationsmotiven der Uhren. Diese standen meist an exponierter Stelle in den Gesellschaftsräumen und verkörperten den gehobenen Bildungsanspruch der stolzen Besitzer. Zunehmende Beliebtheit beim republikanischen Bürgertum, das Adel und Hof als Auftraggeber abgelöst hatte, erlangten nach 1800 vor allem Genreszenen, amüsante, alltägliche und volkstümliche Motive. Sie verdrängten allmählich die idealisierenden und heroisierenden Darstellungen des frühen Klassizismus.

Die französische Revolution war ein historischer Einschnitt, dessen Folgen sich nicht nur auf die Kunst und den Kunstgeschmack, sondern auch auf die Wirtschaft auswirkten: Die Aufhebung der alten Zunftstrukturen, die Gewerbefreiheit und die beginnende Industrialisierung sorgten für eine Neuorganisation der Betriebe. Kunsthandwerker wie Modelleure, Bronzegießer, Ziseleure oder Vergolder arbeiteten nun nicht mehr nach Zünften getrennt voneinander, sondern arbeitsteilig in größeren Fabrikationsstätten, in denen die Uhren in beträchtlicher Stückzahl produziert wurden. Eine Vielzahl von Spezialisten bearbeitete jeweils einzeln die Werkstücke wie Gehäuse, Ornamente oder Figurenschmuck. Das eigentliche Herzstück, das Uhrwerk, trat dabei immer weiter in den Hintergrund, während der Löwenanteil der Produktionskosten auf die Ziselierung, also die Gestaltung der unterschiedlichen Oberflächen, und die Feuervergoldung entfiel.

Auch wenn die französischen Pendulen auf den ersten Blick wie aus einem Guss erscheinen, bestehen sie aus einer Vielzahl von Einzelteilen. So entstanden die flachen Reliefs auf den Gehäusesockeln beispielsweise in der Regel im Sandguss, während die plastischen Figuren meist im Wachsausschmelzverfahren gefertigt wurden. Alle Einzelteile konnten am Ende im Baukastensystem beliebig zusammengesetzt werden. Ohne großen Aufwand erreichte man auf diese Weise eine ungeheure Bandbreite an verschiedenen Modellen für jeden Geschmack. Allerdings hatte diese beliebige Zusammenstellung von Figuren und Accessoires zur Folge, dass mythologische Zusammenhänge aufgrund falscher oder fehlender Attribute verwischt wurden und sich einige Figuren oder Szenen heute nicht mehr eindeutig interpretieren oder zuordnen lassen.

Mit zahlreichen Gemälden, Fotografien, Plänen und interaktiven Elementen vermittelte die Ausstellung nicht nur die Historie der Trierer Plätze, sondern schärfte auch den Blick für aktuelle und zukünftige Fragestellungen und lud die Besucherinnen und Besucher ein, eigene Ideen zur Gestaltung „ihrer“ Plätze einzubringen.