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Armut – Perspektiven in Kunst und Gesellschaft

10. April bis 31. Juli 2011

Rund 160 Exponate vom Mittelalter über die Zeit des Barock bis hin zur Gegenwart waren in dieser spektakulären Sonderausstellung versammelt. Das Rheinische Landesmuseum Trier ergänzte mit Werken zur Antike. Vorträge, Sonderführungen, Filmabende, Theateraufführungen, Veranstaltungen für Kinder und Exkursionen fanden während der Laufzeit statt und vertieften einzelne Aspekte.

Armut, als Motiv in der Kunst und als gesellschaftliches Phänomen, stand im Mittelpunkt der außergewöhnlichen Sonderschau. Hochkarätige Gemälde, Skulpturen, Grafiken und Fotografien gaben einen umfassenden Überblick über unterschiedliche Sichtweisen auf Armut und Arme in Europa. Die Hauptausstellung mit rund 160 Arbeiten war im Stadtmuseum Simeonstift zu sehen, das Gemälde, Skulpturen, Fotoarbeiten und Installationen aus mehr als 40 europäischen Museen sowie Werke aus eigenem Bestand zeigte.

Das Thema Armut ist heute aktuell und brisant wie nie, seine Probleme sind allerdings schon wesentlich älter. Auseinandersetzungen um knapper werdende materielle und kulturelle Ressourcen, Streitigkeiten um die Zugehörigkeit zu einer bestimmten Gruppe sowie Differenzen über die Grenzen der Solidarität prägen seit der Antike unsere Gesellschaft. Die Ausstellung spiegelte unterschiedliche Formen des Umgangs mit Armut wider: Zum einen existiert bis heute eine religiös geprägte Sicht, in der Bescheidenheit als Ideal und Barmherzigkeit als eine Pflicht gilt. Zugleich werden in der Öffentlichkeit aber immer wieder Vorwürfe laut, die Armut unter ökonomischen Gesichtspunkten als Ergebnis von Arbeitsscheue deuten. Herrschern konnte Armut als Demonstration ihrer Mildtätigkeit dienen, Bettelorden predigten dagegen ein Ideal der freiwilligen Mittellosigkeit. Seit dem 18. Jahrhundert gilt Armut nicht länger als unabänderlicher Teil der Schöpfung Gottes, sondern als ein von Menschen zu lösendes administratives und wirtschaftliches Problem. Begriffe wie Solidarität und Gerechtigkeit prägen vor allem seit dem 19. Jhdt. die Debatte um das Recht auf ein menschenwürdiges Leben.

In der Ausstellung veranschaulichten wertvolle Leihgaben die verschiedenen Perspektiven. Beispielsweise war das berühmte Gemälde „Die Sieben Werke der Barmherzigkeit“ von Pieter Brueghel d.J. aus der Zeit zwischen 1616 und 1638 nach Trier gereist.