Marianne Baum – zweimal vergessen?
2. Juli 2024 | 19 Uhr | 8 €
Forschungen zu einer jüdischen Widerstandskämpferin
Vortrag von Luisa Gärtner im Rahmen der Reihe »Gestapo in Trier«
Wie wird sich an Frauen im Widerstand erinnert? Frauen, die Pamphlete verfassten, queer lebten oder zu Waffen griffen, jüdisch waren und als Kinder im kommunistischen Jugendverband aktiv wurden, wurden in der BRD lange nicht thematisiert. Oder sie wurden als Köchinnen, Sekretärinnen, “rechte Hände”, Teil einer
heterosexuellen Beziehung und Carearbeiterinnen betrachtet und ihre Biografie mit der ihres widerständigen Mannes verknüpft. In der DDR betonte man dagegen kommunistische Bestrebungen, klammerte allerdings Geschlecht und Jüdischsein in der Erinnerungsnarrativierung und Forschungsliteratur aus. Bei Frauen im Widerstand scheint zu gelten: Forschung zu ihrer Person und ihrem Handeln außerhalb dieser Narrative bleibt die Ausnahme.
Genauso betrifft die Verengung und Ritualisierung von Erinnerung Marianne Baum (geb.
Cohn). Sie war Kommunistin, Jüdin und in einem Netz von Widerstandsgruppen in Berlin
organisiert. Marianne Baum plante einen Brandanschlag mit, übte ihn mit wenigen anderen aus, druckte Flugblätter und Zeitungen traf illegal internationale Kommunistinnen und Kommunisten. Marianne Baum ist dennoch Thema keiner einzigen Monografie und keines Romans. Ihre Biografie auf Wikipedia enthält bis heute den falschen Geburtsort. Online angelegte Steckbriefe enthalten bisweilen Bilder der falschen Person, Quellen, die Hobbyhistoriker*innen Yad Vashem zur Verfügung stellen, falsche
Geburtsdatumsangaben.
2021 stellten Dorothea Seiler und Luisa Gärtner fest, dass ihr Geburtsort falsch in Wikipedia eingetragen wurde und Quellen oder Forschungsliteratur zu ihrer Person fehlten. Luisa Gärtner stellt die Ergebnisse ihrer Spurensuche nach Akten, zweifelsfreier Forschung und Gründen vor, warum Marianne Baum meist noch immer nur eine Nebenerwähnung, ein Name ohne Geschichte ist
Freier Eintritt für Studierende
Dank der Unterstützung durch das Studiwerk Trier ist mit dem DiMiDo-Semesterticket die Teilnahme für Studierende der Universität Trier, Theologische Fakultät Trier und Hochschule Trier kostenlos.